Via Regia – 3 Tage nach Hause laufen (3)

26.09. Stedten – Erfurt (23 km)

Die heutige Etappe führt mich von Stedten nach Erfurt meine Heimatstadt. Also ist jetzt nach Hause laufen angesagt. Ich mache noch ein paar Bilder von der Kirche und gehe mit einen Banane und einem Apfel als Frühstück los.

Glücklicherweise habe ich noch eine Tüte mit Studentenfutter (Nüsse und Rosinen) um notfalls etwas Energie in Reserve zu haben.

Vorbei an Ottendorf und Hottelstedt, geht es nach Ollendorf. Hier ist im Pilgerführer eine Einkaufsmöglichkeit eingezeichnet die mich hoffen lässt.

Die Einkaufsmöglichkeit ist ein kleiner Laden der als „Tante Emma“ Laden durchgehen könnte. Jedoch ist die Auswahl noch dürftiger. So erstehe ich aber immerhin eine Nussecke die mir noch ein wenig Energie und Geschmack spendet.

Danach geht es auf einem mit alten Bruchsteinen gepflasterten Weg die Ettersbergflanke hinab nach Wallichen und Vieselbach. Hier eröffnet sich der Blick auf Erfurt. Ungewohnte Ansichten von meiner Heimatstadt.

In Wallichen hat die kleine Kirche geöffnet und ich mache dort eine kleine Rast um meine geschundenen Füße ein wenig zu entlasten.

Durch Vieselbach hindurch, geht es über den Neubau der ICE Trasse nach Kerspleben. Die Gegend scheint sehr Energiereich. 😉

Energiereiche Gegend
Energiereiche Gegend

In Kerspleben möchte ich mir die Kirche anschauen und bei der Gelegenheit ergibt es sich, dass ich im Pfarrhaus gleich ein dringendes Bedürfnis erledigen konnte. Das wäre sonst zu eng geworden bis Erfurt.

Die Kirche ist nebenbei gesagt echt schön anzuschauen. Das ich davon nichts wusste, liegt sicher daran dass es zu nah an Erfurt liegt.

Kirche zu Kerspleben
Kirche zu Kerspleben

Der letzte Weg geht entlang der Leipziger Straße in die Stadt hinein. Sicherlich nicht gerade der aufregendste oder etwa schönste Teil des Weges. Es ist eben irgendwie immer etwas öde in eine Stadt hinein zu laufen. Vorbei an Industriegebieten, riesigen Einkaufsmärkten und unruhigen vielbefahrenen Strassen. Wenn ich auf Passanten treffe, sind diese nur genervt. Anhand des Verkehrs kann ich das jedoch nachvollziehen. Mir kommt dabei ulkigerweise in English eine Textzeile mit Melodie in den Kopf.

„why you living so fast? for what will you like be the first?“

In Erfurt fühle ich mich zunächst nicht richtig zugehörig. In einer anderen Zeitebene. Als Reisender, Pilger. Ich gehe zielgerichtet durch die Strassen bis zum Dom. Dort versperrt das Oktoberfest (wir haben noch September) den direkten Weg zum Domberg. Ich schlängele mich durch und genieße die Ruhe in dem alten Gemäuer. Ab und zu dringt ein Kreischen von den diversen Dreh- und „Kotzmaschinen“ des Oktoberfestes von außen ein. Aber das kann dem Dom nichts anhaben. Er steht ruhig wie ein Fels in der Brandung.

Der Organist prüft die Orgel und spielt ein paar Stücke an. Irgendwie passend.

Dom zu Erfurt
Dom zu Erfurt

Ich laufe die letzten 1,5 km nach Hause und lasse mich auf die Couch fallen. Fertig.

Es tut gut diese Bequemlichkeit. Wenn ich Sie habe, möchte ich Sie nicht missen. Wenn ich Sie jedoch nicht habe, vermisse ich Sie auch nicht.

Mir kommt in den Sinn, dass ich schon nahezu mein ganzes Leben hier in Erfurt war und trotzdem kannte ich kaum etwas davon, was ich auf dem Weg gesehen hatte. Also war ich wohl hier, aber nie ganz da?

Wirkliches „Da Sein“ wächst nur in der Stille.

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