Via Regia – 3 Tage nach Hause laufen (2)

Kreuz im Himmel

Reisebericht vom 2. Tag meiner „nach Hause laufen“ Pilgerfahrt auf der Via Regia von Freyburg (Unstrut) nach Erfurt.

25.09. Eckartsberga – Stedten (25 km)

Eigentlich habe ich heute durch meine Blasen am linken Fuß nur geplant bis Buttelstedt zu gehen. Aber die Vorsehung hat einen anderen Plan mit mir. Durch meinen gestrigen 30 km Lauf ohne Vortraining folgte die Quittung sozusagen auf dem Fuße. In Form von stattlichen Blasen. Nicht, dass ich dass nicht hätte wissen können. Bin schließlich 900 km auf dem Camino in Nordspanien gelaufen. Aber bei all den Erinnerungen spielte das nur eine untergeordnete Rolle.

Wie dem auch sei. Ich laufe heute erstmal bis Buttelstedt. Unterwegs durch grüne und braune Flur sehe ich wieder ein paar Apfelbäume am Wegesrand stehen und pflücke mir die sog. „low hanging fruits“. Absolut lecker diese nicht gepflegten ungezüchteten Äpfel. Da hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Einzig die EU Norm für Größe usw. erreichen sie warscheinlich nicht. Who cares.

In Seena schaue ich mir die Dorfkirche an. Diese wurde mir in Eckardtsberga empfohlen. Den Schlüssel bekommt man in Haus Nummer 11.

Altar der Kirche on Seena
Altar der Kirche in Seena

Als ich an einem Acker vorbei komme auf dem gerade bei ordentlich Wind, Kalk auf das Feld gestreut wird, hoffe ich gerade in einem Moment vorbei zu kommen, da die Traktoren auf der anderen Seite des Feldes sind. Ich time meinen Lauf ein wenig durch verzögern. Jetzt sehe ich dass die Traktoren gerade wenden und beeile mich Ihre Spur zu überschreiten. Tja und was soll ich sagen, gerade als ich beide Traktorenspuren passiert habe dreht ein Traktor um und streut über die gesamte Längsseite des Feldes. Da er natürlich nicht nur in eine Richtung fährt, dreht er um und macht gleich die zweite Längsspur mit. Da hilft dann nur noch Atem anhalten und Augen zu.
Sowas blödes.

Kalktrekker
Kalktrekker

In Buttelstedt angekommen, stelle ich fest, dass ich telefonisch keine Herbergseltern erreichen kann. Deshalb frage ich im Bäckerladen einfach ob es hier noch alternative Unterkünfte gibt. Im einzigen Dorfbäcker bekomme ich eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen. Der Bäckermeister weist mich auf eine Pension zum „Weißen Roß“ und sagt gleich, dass es keine Pilgerunterkunft (Herberge) in Buttelstedt gibt. Ok denke ich, dann eben Pension. Ist mir auch recht.

Als ich vor der Pension stehe, hat diese natürlich noch nicht geöffnet. Aber eine Telefonnummer steht auf der Karte im Eingang. Ich rufe an und bekomme eine freundliche Absage. Leider sind alle Zimmer belegt und im Ort gibt es auch nichts anderes mehr. Er verweist mich nach Schwerstedt in die Pension „zum Brunnen“. Als Alternative sagt er noch irgendwas von einem anderen Ort, aber das kommt für mich als Fußgänger nicht in Frage.

Also nichts wie los, sonst wird es immer später. In der Dorfapotheke kaufe ich mir noch ein paar zusätzliche Blasenpflaster. Man weiß ja nie. Dann hole ich mir noch die Auskunft einer Autofahrerin über die Entfernung nach Schwerstedt. „nur über den Hügel und schwupps sind Sie schon da.“

Ich laufe über den Hügel, der Himmel öffnet sich und schickt Regen. Ok kein Problem. Regenjacke an und Schutzüberzug um den Rucksack gelegt und weiter gehts. Naja und bei „Schwupps sind Sie schon da“, da haperte es ein wenig. Dieses „Schwupps“ zog sich dann eben doch über 3 km.

In Schwerstedt angekommen, gehe ich zur Pension und Frage nach einem Zimmer für einen triefenden, armen Pilger. Der Inhaberin tat es wirklich leid, aber auch Sie hatte kein Zimmer für mich frei. Und in einem kleinen Ort wie Schwerstedt, kann man auch nicht erwarten mehr als eine Pension zu bekommen. Also habe ich in Stedten angerufen und dort endlich die ersehnte Zusage auf ein Bett in der Kirche von Stedten bekommen. Eine Gastronomie jedoch gibt es in Stedten nicht und so frage ich ob ich in der Pension in Schwerstedt noch etwas zu essen bekomme.

Die Gastwirtin ist wirklich nett und macht mir ein paar frische Kartoffeln und einen leckeren Paprikagulasch. Ein Bier und ein Schnäpschen zur Verdauung, nebst einem Joghurt und einer Banane. Ich bin glücklich. Mehr brauche ich nicht. Gestärkt und trocken verlasse ich das Lokal und laufe über die Felder nach Stedten. Diesesmal geht es vorbei an einer Straußenfarm mit sehr neugierigen Insassen.

neugierige Stauße
neugierige Stauße

Einen wunderschönen Abendhimmel sehe ich noch und kann mich des Eindruckes, ein Kreuz gesehen zu haben nicht verwehren.

Kreuz im Himmel
Kreuz im Himmel

In Stedten erwartet mich die „Pilgeromi“, wie Sie sich selber nennt und gibt mir die Instruktionen für meine Unterkunft. Wirklich nett von Ihr mich dort erwartet zu haben. Der Eindruck „willkommen zu sein“ ist auch in der Unterkunft, der alten Dorfkirche zu spüren. Liebevoll hergerichtet und mit nachtlagern auf Empore und im Kirchturm ist das wirklich ein Erlebnis der besonderen Art.

Jetzt ist mir spätestens Klar, dass dies der richtige Weg war.

Abends gehe ich noch in den örtlichen Getränkestützpunkt und trinke noch ein Bier mit ein paar einheimischen zusammen. Ein bisschen plaudern geht auch noch und dann falle ich ins Bett.

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