Via Regia – 3 Tage nach Hause laufen (1)

Apfel Unikat

Nachdem ich in ein Kapitel in meinem Leben abgeschlossen hatte, wollte ich mir die Ruhe gönnen und 3 Tage lang die Last der letzten Wochen „ablaufen“ lassen. Die Via Regia oder auch der „Ökumenische Pilgerweg“ von Görlitz nach Vacha schien genau die richtige Strasse für mein unterfangen zu sein. Er ist teil des deutsche Jakobswegnetzes. Natürlich sind 3 Tage nicht genug Zeit den ganzen Weg zu gehen. Also habe ich mir das auf drei Tage passende Teilstück von Freyburg (Unstrut) nach Erfurt herausgenommen. Mein Motto für diesen Weg war einfach „nach Hause laufen“. Stille einkehren lassen und die Gedanken „laufen“ lassen.

24.09. Freyburg (Unstrut) – Eckartsberga (30,5 km)

Heute morgen um 7 Uhr ging es mit dem Zug nach Freyburg (Unstrut) um dann von dort aus zu Fuß die Rückreise nach Erfurt anzutreten. In Freyburg (Unstrut) hab ich mich erstmal bei einer Tasse Kaffee und einem belegten Brötchen aufgewärmt. Und dann ging’s los. Entlang der Weinberge und durch Sonnenblumenfelder. Bis zu einer Fähre, wo ich lange überlegt habe ob das nun der richtige Weg sei. Denn mit solchen Details verschont mich mein Pilgerführer leider. Es kann aber auch sein, dass ich erstmal lernen muss Ihn richtig zu lesen.

Für einen Euro geht es mit „Fährmann hol über“ mit der kleinen Fähre über die Unstrut. Alles per Muskelkraft versteht sich. Harter Job für den Fährmann.

Fähre
Fähre

Kurz vor Naumburg hab ich mich noch schnell verlaufen. Anstatt im Bogen durch die Stadt zu laufen, gehe ich den Weg hinein, der eigentlich heraus führt. Nun das ist heute mein extra Kilometer. Was solls, sind ja heute eh 30 km.

Der Naumburger Dom ist wirklich schön. Die Marienkapelle hat es mir jedoch besonders angetan. Sie ist einfach nur schlicht, weiß und schnörkellos. Ein Raum der Stille.

Der Weg nach Eckartsberga ist interessant und verläuft auf dem Höhenzug oberhalb der Saale. Ohne nennenswerte Vorübung merke ich allerdings die Kilometer bis Eckartsberga und mindestens eine Blase will gerade an meinem linken Fuß entstehen.

In einer kleinen Tiefphase wo die Beine anfangen schwer zu werden, treffe ich in einem Ort auf einen alten Mann, der gerade die Äpfel pflückt. Wir grüßen einander und er fragt mich sofort ob ich nicht einen seiner leckeren Äpfel haben möchte. Das passt haargenau! Der Apfel ist wirklich lecker so frisch vom Baum. Mir kommt sofort die Geschichte des „Herrn Ribbeck von Ribbeck im Havelland“ in den Sinn. Schöne Begegnung.

Etwa 10Km vor Eckartsberga mache ich in einem kleinen Ort Rast und meine Unterkunft in Eckartsberga klar. Ein Mann bietet mir spontan an meine Wasserflasche bei Ihm aufzufüllen. Sehr aufmerksam. Vielen Dank. Auch das kam gerade im rechten Moment.

Als ich total fertig bin erreiche ich Eckartsberga und pünktlich meldet sich eine Stelle an meinem Linken Fuß die untrüglich von einer Blase kommt. Ich fange an meine Gangart etwas zu ändern. Notgedrungen.

Holländer Windmühle vor Eckartsberga
Holländer Windmühle vor Eckartsberga

Eckartsberga ist groß genug, dass es etwas einzukaufen und 2 Gaststätten gibt. Untergekommen bin ich im Pfarrhaus gegenüber der Dorfkirche. Völlig unkompliziert und nett.

Als mittlerweile fußbehinderter Pilger gehe ich in das erste Lokal am Platze und erfahre dass diese Gaststätte gerade den vorletzten Tag offen ist. Dann wird leider komplett geschlossen. Es lohnt sich nicht mehr. Das ist wirklich schade. Leider aber kein Einzelfall auf den Dörfern des Weges. Das gleiche habe ich auch schon auf dem Elisabethpfad kennen gelernt.

Gabi, die Wirtin, ist sehr engagiert und wirklich nett. Bei Ihr bekomme ich noch ein leckeres Schnitzel mit Spiegelei und Kartoffelsalat. Dazu gibt’s noch Organgen und Bananen als „Pilgermenü“. Bei Gabi wird heute Abschied gefeiert und es kommen einige Leute vom Dorf und auch Pensionsdauergäste. Das bildet eine interessante Kombination. Ein norddeutscher Großkranfahrer der für das Aufstellen der Windräder verantwortlich ist und einheimische Bauern „Du läufst wohl och uff dem goomischen Weg?“. Daneben auch Familie. Das Dorf erleidet einen herben Verlust durch den Weggang von Gabi und der Schließung Ihrer Gaststätte. Sie selbst hat in Nordrheinwestfahlen eine neue Stelle in der Gastronomie gefunden.

Nach 2 Bier ist es Zeit ins Bett zu gehen und ein bischen Erholung für den morgigen Tag zu tanken.

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